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Dokumentation des Fachaustauschs zu "Verrückt? Na und! - Seelisch fit in der Schule" mit Irrsinnig Menschlich e.V.

Irrsinnig Menschlich e.V.

Im März 2026 tauschten sich Geschäftsstellenleitungen der Gesundheitsregionenplus in einem Online-Fachaustausch zum Präventionsprogramm „Verrückt? Na und! - Seelisch fit in der Schule“ aus. Da das Thema der Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in vielen Gesundheitsregionenplus bearbeitet wird, stieß der Fachaustausch mit 34 teilnehmenden Geschäftsstellenleitungen auf großes Interesse. Mit dabei war der Verein Irrsinnig Menschlich e.V., welcher das Programm deutschlandweit sowie auch international anbietet.

Die Erfahrungsberichte der Geschäftsstellenleitungen, in deren jeweiligen Gesundheitsregionenplus das Programm „Verrückt? Na und! - Seelisch fit in der Schule“ zum Teil bereits langjährig durchgeführt wird, zeigten auf, welche Schritte zur Vorbereitung und Durchführung der Programm-Schultage nötig sind, welche Ergebnisse und Wirkungen durch das Programm entstehen können und wie das Programm durch die beteiligten Akteure, die Schulen sowie die Zielgruppe bewertet wird. Insgesamt wurden seit dem Schuljahr 2016/17 in den vier Gesundheitsregionenplus knapp 300 Schultage mit einer Gesamtzahl von bisher über 6.420 erreichten Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Das Feedback der Schülerinnen und Schüler wurde als positiv beschrieben. Diese seien überwiegend sehr interessiert an den Schultagen gewesen. Von Seiten der teilnehmenden Schulen werde das Programm ebenfalls positiv bewertet, wobei der geringe Organisationsaufwand auf Seiten der Schulen hervorgehoben worden sei. Die Rückmeldung der beteiligten Akteure sowie der Lokalpolitik betonen laut den Geschäftsstellenleitungen die Bedeutung des Programms für die Präventionsarbeit vor Ort, was sich u. a. in der geleisteten finanziellen Unterstützung durch die beteiligten Gebietskörperschaften ausdrückt. In allen vier Gesundheitsregionenplus werde das Programm aktuell durch kommunale Mittel maßgeblich (mit-)finanziert. In zwei der vier Gesundheitsregionenplus erfolge zudem eine finanzielle Unterstützung über Fördervereine.

In der gemeinsamen Diskussion wurden Förder- und Hemmfaktoren bei der Initiierung und Umsetzung des Programms ausgetauscht. Als förderlich wurde die langfristige Verankerung des Programms in der kommunalen Strategie und dem Netzwerk der Gesundheitsregionplus hervorgehoben. Als strukturelle Barrieren wurden fehlende landesweite Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeiten zur nachhaltigen Umsetzung des Programms sowie die Verfügbarkeit einer Koordinationsstelle für das Programm auf Landesebene zur Unterstützung der Arbeit vor Ort gesehen. Zudem wurde der Koordinationsaufwand mit ca. 5-10 Stunden pro Woche im ersten Jahr bei einer empfohlenen Durchführung von 10-12 Schultag pro Jahr im Kontext der Aufgaben der Geschäftsstellen als hoch bewertet. Aktuell werde das Programm mehrheitlich nicht durch die Geschäftsstellen, sondern durch benachbarte Fachbereiche (z. B. Gesundheitsförderung im Gesundheitsamt) koordiniert. Auch Assistenzkräfte könnten hieran mitwirken.

Eine Herausforderung liege zudem darin, neben den fachlichen Expertinnen und Experten auch geeignete persönliche Expertinnen und Experten für das Programm zu gewinnen, die selbst psychische Krisen erfahren und gemeistert haben und davon während des Schultags berichten. Hinsichtlich einer nachhaltigen Wirkung der Schultage wurden der konzeptionell angelegten Niedrigschwelligkeit der „Verrückt? Na Und!“ Schultage potentielle Weiterentwicklungs-Möglichkeiten gegenübergestellt. So wurden etwa die verstärkte Einbindung der Schülerinnen und Schülern und der Eltern im Nachgang an den Schultag diskutiert (z. B. Elternbriefe, Elternabende). Von Seiten der Geschäftsstellen wurde der Aufbau möglichst langfristiger Finanzierungsperspektiven, etwa über GKV-Förderungen, gewünscht.

Durch die anschließenden fachlichen, strukturellen und finanziellen Orientierungswerte und Empfehlungen des Vereins Irrsinnig Menschlich e.V. – auch aus der Umsetzung in anderen Bundesländern – konnte den teilnehmenden Geschäftsstellen ein umfassender und praxisnaher Einblick in das Programm eröffnet werden. So liegt beispielsweise ein Leitfaden zur Gründung eines Programmstandorts mit u. a. Orientierungswerten für den zeitlichen und finanziellen Aufwand vor.  Betont wurde der Beitrag des Programms zu der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, der Förderung eines offenen Umgangs mit seelischer Gesundheit und der schnelleren Inanspruchnahme professioneller Unterstützung.

In einer abschließenden kurzen Bedarfsabfrage unter den Teilnehmenden meldeten 9 weitere Geschäftsstellen grundsätzlichen Interesse zur Umsetzung des Programms in ihrer Gesundheitsregionplus unter der Voraussetzung entsprechender struktureller und finanzieller Rahmenbedingungen an.

Ein besonderer Dank gilt Anne Kube und Stefanie Bodensiek (Gesundheitsregionplus Altmühlfranken), Christine Hecht (Gesundheitsregionplus Amberg / Amberg-Sulzbach), Katharina Eichenmüller (Gesundheitsregionplus Nürnberger Land) und Martina Eckmüller (Gesundheitsregionplus Landkreis Fürth) für das Teilen ihrer Erfahrungen. Zudem bedanken wir uns herzlich bei Antje Wilde, Wiebke Nonne und Caroline Lyle von Irrsinnig Menschlich e.V. und Iris Grimm vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) für die Mitwirkung am Fachaustausch.

Die Veranstaltungsdokumentation einschließlich der Präsentationen können Sie hier in der Cloud abrufen.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sachgebiet GP3: Bayerische Gesundheitsagentur, Gesundheitsversorgung
Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus

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