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Gesundheitsregionplus Landkreis Lindau (Bodensee) (Thomas Kaleja)
Hintergrund und Motivation:
Der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jährlich versterben über 70.000 Menschen daran. Gleichzeitig zeigen Daten, dass nur rund die Hälfte der Betroffenen durch anwesende Personen wiederbelebt wird. Häufige Gründe sind Unsicherheit, Angst vor Fehlern oder lange zurückliegende Erste-Hilfe-Kurse. Vor diesem Hintergrund bestand im Landkreis Lindau ein klarer Handlungsbedarf, die Bevölkerung niedrigschwellig zu informieren und zum Handeln zu ermutigen.
Zielsetzung:
Ziel der Aktionswoche war es, Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor der Wiederbelebung zu nehmen und zu vermitteln, dass jede und jeder im Ernstfall helfen kann. Die Angebote richteten sich bewusst an die breite Bevölkerung ohne medizinische Vorkenntnisse und setzten auf ein offenes, leicht zugängliches Format ohne Anmeldung.

Landrat Elmar Stegmann, Nick Traenkle (Projektteam Allgäu, Region der Lebensretter e.V.), Markus Natterer, Sandra Mayer und Bettina Holderied (Bayerisches Rotes Kreuz, Kreisverband Lindau) und vorne: Thomas Kaleja (Gesundheitsregionplus) und Roman Gaißer (Kreisgeschäftsführer, Bayerisches Rotes Kreuz) © Landkreis Lindau/Nadja Krassik
Zentrale Inhalte und Kernaussagen:
Die Aktionswoche wurde vom 8. bis 12. Dezember 2025 von der Gesundheitsregionplus im Landkreis Lindau gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz und der Initiative Region der Lebensretter umgesetzt. An mehreren Orten im Landkreis konnten Interessierte ohne Anmeldung teilnehmen. Während der gesamten Woche stand eine einfache Botschaft im Mittelpunkt: Prüfen, Rufen, Drücken. Diese Kernregel der Wiederbelebung wurde verständlich erklärt und praktisch vermittelt.
Neben kurzen theoretischen Impulsen lag der Schwerpunkt bewusst auf dem eigenen Tun. Die Teilnehmenden lernten, wie sie einen Herz-Kreislauf-Stillstand erkennen, den Notruf 112 absetzen und unmittelbar mit der Herzdruckmassage beginnen. Ziel war es, Hemmungen abzubauen und Sicherheit für den Ernstfall zu gewinnen.
Ein zentraler Bestandteil war das praktische Üben an Reanimationspuppen. Unter Anleitung ehrenamtlich tätiger Fachkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes konnten die Teilnehmenden selbst ausprobieren, wie fest und in welchem Rhythmus gedrückt werden muss. Ergänzend dazu wurde der Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators erklärt und praktisch erprobt. Die Veranstaltungsräume wurden von den beteiligten Kommunen kostenfrei zur Verfügung gestellt, was die niedrigschwellige Umsetzung der Aktionswoche wesentlich unterstützte.
Aufgaben der Geschäftsstellenleitung:
Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus im Landkreis Lindau übernahm die Gesamtkoordination der Aktionswoche. Dazu zählten die Initiierung und Moderation der Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz und der Initiative Region der Lebensretter, die konzeptionelle Ausgestaltung der Woche, die Abstimmung der Termine und Standorte sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Erstellung eines Flyers. Zudem wurde die Aktionswoche vom Landrat aktiv begleitet, der die Stärkung der Wiederbelebungskompetenz aus persönlicher Überzeugung als besonders wichtig erachtet.
Ergebnisse und Ausblick:
An der Woche der Wiederbelebung nahmen insgesamt über 100 Bürgerinnen und Bürger teil. Rückmeldungen zeigten, dass insbesondere das praktische Ausprobieren dazu beitrug, Hemmungen abzubauen und Sicherheit zu gewinnen. Die Veranstaltungen wurden landkreisweit einheitlich beworben, dennoch zeigten sich deutliche Unterschiede bei der Teilnahme. Während zum Auftakt in einer kleineren Gemeinde 33 Personen teilnahmen und am Folgetag in der Stadt Lindenberg sogar 44 Interessierte erreicht wurden, nahm die Beteiligung im weiteren Verlauf der Woche ab. Am Freitagabend waren lediglich noch vier Teilnehmende vor Ort. Daraus lässt sich ableiten, dass Termine zum Ende der Woche, insbesondere am Freitagabend, aufgrund konkurrierender Angebote weniger geeignet sind. Stattdessen sollen praxisorientierte Angebote zur Laienreanimation gezielt zu Wochenbeginn bis zur Wochenmitte stattfinden.
Fazit:
Die Woche der Wiederbelebung hat gezeigt, dass praxisnahe und niedrigschwellige Angebote einen wirksamen Beitrag zur Stärkung der Gesundheitskompetenz leisten können. Die Initiative Region der Lebensretter wurde dabei als wichtiges Bindeglied zwischen dem Absetzen des Notrufs und dem Eintreffen des Rettungsdienstes vorgestellt. Künftig sollen ähnliche Formate genutzt werden, um das Thema Wiederbelebung weiter im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und die Handlungssicherheit der Bevölkerung langfristig zu stärken.

