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Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim (Franziska Häffner)
Hintergrund und Motivation:
Der demographische Wandel, altersbedingte Praxisabgaben sowie der zunehmende Fachkräftemangel stellten insbesondere den ländlichen Raum vor erhebliche Herausforderungen in der hausärztlichen und allgemeinen fachärztlichen Versorgung. Auch im Landkreis Kelheim zeichnet sich ab, dass bestehende Versorgungsstrukturen ohne frühzeitige und gezielte Maßnahmen mittel- bis langfristig unter Druck geraten.
Vor diesem Hintergrund wurde im Landkreis Kelheim frühzeitig Handlungsbedarf identifiziert und mit dem Medizinstipendienprogramm ein strategisches Instrument zur nachhaltigen Sicherung der regionalen Gesundheitsversorgung entwickelt.
Ziel:
Ziel des Programms ist es, qualifizierte und engagierte Medizinerinnen und Mediziner frühzeitig an den Landkreis Kelheim zu binden und die hausärztliche sowie allgemeine fachärztliche Versorgung langfristig und nachhaltig zu sichern.
Die Maßnahme richtet sich an Studierende der Humanmedizin – vom Studienbeginn bis in fortgeschrittene Semester – und adressiert vorrangig die ambulante Versorgung, aber auch die ärztliche Tätigkeit an den Krankenhäusern des Landkreises.
Zentrale Inhalte:
Ab dem Wintersemester 2025/26 vergibt der Landkreis Kelheim im Regelfall jährlich bis zu drei, im Ausnahmefall bis zu fünf Medizinstipendien. Die Förderung erfolgt in Form einer nicht zurückzuzahlenden monatlichen Unterstützung von 400 Euro über die Regelstudienzeit von maximal 12 Semestern (bis zu 28.800 Euro). Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, nach erfolgreichem Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in den Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Pädiatrie, Neurologie oder Psychiatrie für mindestens fünf Jahre im Landkreis Kelheim ärztlich tätig zu sein.
Das Programm basiert auf einer rechtssicheren Richtlinie, einem transparenten Auswahlverfahren mit klar definierten Vergabekriterien sowie einer strukturierten Bewertungsmatrix. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Landkreises. In das Auswahlgremium sind neben dem Landrat und ausgewählten Vertretern des Kreistags auch der Ärztliche Kreisverband und die Geschäftsstellenleitung der Gesundheitsregionplus eingebunden.
Das Vergabegremium für das Medizinstipendium: Der Landkreis Kelheim hat erstmals Stipendien im Rahmen des neuen Medizinstipendienprogramms vergeben. Zu sehen sind die Mitglieder des Auswahlgremiums v.l.n.r.: Landrat Martin Neumeyer, Franziska Häffner (Geschäftsstellenleiterin Gesundheitsregionplus), Dr. Alfons Stiegler (Vertreter des Ärztlichen Kreisverbands Kelheim), Christiane Lettow-Berger (Kreisrätin) und Niklas Neumeyer (Kreisrat) © Landratsamt Kelheim
Aufgaben der Geschäftsstellenleitung:
Die Geschäftsstellenleitung der Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim übernahm bei der Umsetzung des Medizinstipendienprogramms eine zentrale Rolle und verantwortete den gesamten Prozess von der Ideenentwicklung über die Konzeption, die politische Beschlussfassung bis hin zur operativen Umsetzung. Zu den Aufgaben zählten dabei insbesondere die strategische Konzeptentwicklung des Stipendienprogramms, die Koordination aller beteiligten Akteure, die Beratung von Politik und Verwaltung, die Erstellung der Richtlinie sowie der dazugehörigen Unterlagen, die Organisation des Bewerbungs- und Auswahlverfahrens und der Vergabesitzung, die haushalterische Abwicklung, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die laufende Betreuung und Weiterentwicklung des Programms.
Informationen zu den (erwarteten) Ergebnissen:
Bereits im ersten Jahr des Medizinstipendienprogramms zeigte sich eine sehr hohe Anzahl und Qualität der Bewerbungen, die die Durchführung eines strukturierten Vergabeverfahrens erforderlich machten. Nach der Vorstellung der Bewerberinnen und Bewerber im Rahmen einer Vergabesitzung schöpfte das Auswahlgremium die maximal mögliche Zahl von fünf Medizinstipendien vollständig aus. Die ausgewählten Stipendiatinnen und Stipendiaten überzeugten durch sehr gute schulische und akademische Leistungen, eine hohe Motivation für den ärztlichen Beruf, ausgeprägtes soziales Engagement sowie klare berufliche Zielvorstellungen. Sie stammen aus dem Landkreis Kelheim oder aus angrenzenden Landkreisen, sind z.T. im Landkreis geboren/aufgewachsen oder verfügen über enge familiäre Bezüge zur Region. Gleichzeitig studieren sie an verschiedenen Hochschulstandorten in ganz Deutschland, unter anderem in Regensburg, am Medizincampus Niederbayern, in Halle-Wittenberg und in Dresden. Diese Verbindung aus regionaler Verwurzelung und überregionaler Ausbildung unterstreicht das Potenzial des Programms für eine nachhaltige Fachkräftesicherung im ländlichen Raum.
Fazit und Ausblick:
Mit dem Medizinstipendienprogramm positioniert sich der Landkreis Kelheim als verantwortungsbewusster, zukunftsorientierter und attraktiver Gesundheitsstandort. Eine kontinuierliche Evaluation und bedarfsorientierte Weiterentwicklung des Programms ist vorgesehen, um für die Stipendiaten auch schon während der Zeit ihrer Ausbildung regelmäßige Berührungspunkte zum Landkreis zu schaffen.

