© Denise Brock (LGL)

Gesundheitsregionplus Landkreis Fürth (Martina Eckmüller)

„Gelassene Schule“ ­­– Grundschulen im Landkreis Fürth erproben neues Präventionsprojekt

Ein Projekt zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern 

Es begann mit einer Beobachtung, die viele Lehrkräfte teilen: Immer häufiger herrscht Unruhe im Unterricht, Kinder wirken unkonzentriert und lassen sich leicht ablenken. Besonders beim Übergang auf weiterführende Schulen zeigen sich zunehmend Anzeichen von Ängsten und innerer Anspannung. Vor diesem Hintergrund entstand im Landkreis Fürth die Idee, gezielte präventive Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit an Grundschulen zu etablieren.

Hintergrund und Motivation

Seit 2022 zählt die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu den zentralen Arbeitsschwerpunkten der Gesundheitsregionplus Landkreis Fürth.

Im Rahmen einer breit angelegten Befragung von Akteurinnen und Akteuren aus dem Gesundheits- und Bildungswesen wurden Bedarfe und Herausforderungen im Themenfeld erhoben. Daraus leiteten sich verschiedene Handlungsansätze ab – unter anderem der Wunsch, Präventionsangebote an Schulen zu stärken und Lehrkräfte in ihrer Gesundheitsförderungskompetenz zu unterstützen.

Zielsetzung

Der Schulalltag ist geprägt von hoher Dynamik und häufigem Stress – sowohl für Kinder als auch für Lehrkräfte. Das Projekt „Gelassene Schule“ möchte dem aktiv entgegenwirken.

Kernziele sind die Förderung einer Achtsamkeits- und Entspannungskultur im Schulumfeld, die Stärkung der Resilienz und Selbstwirksamkeit der Schülerinnen und Schüler, sowie die Einbindung der Eltern, um die erlernten Strategien auch im häuslichen Umfeld zu verankern.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Multiplikatorenkonzept: Lehrkräfte werden befähigt, das Thema nachhaltig in den Schulalltag zu integrieren und so langfristig ein gesundheitsförderliches Klima zu schaffen.

Erste Reihe: Landrat Bernd Obst, Ute Eberelein (1-2-3 e.V.), Martina Eckmüller (Gesundheitsregionplus ), Elke Hafner (Referentin), Sabine Sander, Schulleitung (Pilotschule Zirndorf 1), Alexander Steinhart (Techniker Krankenkasse), dahinter Thomas Rohlederer (1-2-3 e.V.), dahinter ein Teil der teilnehmenden Lehrkräfte der Pilotschule © Roland Beck

Projektinhalte und Umsetzung

Gemeinsam mit einer Kinder- und Jugendcoachin sowie Yogalehrerin, welche selbst Lehrerin an einer Mittelschule ist, entwickelte die Gesundheitsregionplus das Konzept „Gelassene Schule“.

Zentrales Element ist eine dreiteilige Multiplikatorenschulung für Lehrkräfte der dritten und vierten Klassen. Ergänzend wird ein Elternabend angeboten, um das Projekt auch im familiären Umfeld zu verankern.

Die Schulung vermittelt praxisnahe Methoden zur bewussten Atmung, einfachen Entspannungsübungen und mentalen Fokussierung. Lehrkräfte erhalten so Werkzeuge, die sie unkompliziert in den Unterricht integrieren können – mit dem Ziel, Kindern Wege zu innerer Ruhe, Konzentration und emotionaler Selbstregulation zu eröffnen.

Zur langfristigen Verankerung der Inhalte erhält jede teilnehmende Klasse ein Kartenset mit den gelernten Übungen, das auch spielerisch – etwa als Memoryspiel – genutzt werden kann.

Die Schulungen finden nach Schulschluss direkt vor Ort statt, um die Teilnahme für Lehrkräfte möglichst niedrigschwellig zu gestalten.


Kartenset © Martina Eckmüller

Am Ende des Projekts erhält jede Schule als sichtbares Zeichen ihres Engagements das Schild „Gelassene Schule“ sowie die Unterrichtsmaterialien zur dauerhaften Nutzung.

Finanziert wird das Projekt durch die Techniker Krankenkasse und den Präventionsverein 1-2-3 e.V. Die Evaluation erfolgt durch die SRH University Fürth mittels Fragebogenerhebungen bei Lehrkräften und Eltern.

Rolle der Gesundheitsregionplus 

Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus  übernahm die federführende Koordination:

Aufbau eines interdisziplinären Netzwerks zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Durchführung der Expertenbefragung und Ableitung von Handlungsempfehlungen, Entwicklung des Fachkonzepts und der Umsetzungsstrategie (2023), Sicherstellung der Finanzierung und Evaluation (Anfang 2024), Unterstützung bei der Materialentwicklung (z. B. Übungskarten) und Öffentlichkeitsarbeit, Begleitung der Pilotphase (2024/2025) und anschließende Skalierung des Projekts auf weitere Schulen.

Aktuell liegt der Fokus auf der Budgetverwaltung, Evaluation des Gesamtprojekts sowie der fortlaufenden Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkerweiterung.

Ergebnisse und Ausblick

Das Feedback der Pilotschule war durchweg positiv. Lehrkräfte berichteten von einem ruhigeren Klassenklima, gesteigerter Konzentrationsfähigkeit und einer gestärkten emotionalen Balance bei den Kindern.

Von September 2025 bis Juni 2028 wird das Projekt auf weitere elf Grundschulen im Landkreis ausgeweitet. Teilnehmen können künftig Lehrkräfte aller Klassenstufen (1. - 4. Klasse).

Begleitend erfolgt erneut eine Evaluation zur Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahme.

Fazit

Lehrkräfte und Schulleitungen zeigten sich begeistert von Konzept und Wirkung des Projekts. Das große Interesse weiterer Schulen bestätigt den hohen Bedarf an niedrigschwelligen Präventionsangeboten zur psychischen Gesundheit im Schulalltag.

Mit der „Gelassenen Schule“ wurde im Landkreis Fürth ein praxisnahes, evaluierbares Modell geschaffen, das – bei positiver Evaluation – als Best-Practice-Beispiel auch für andere Regionen dienen kann.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sachgebiet GP3: Bayerische Gesundheitsagentur, Gesundheitsversorgung
Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus

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Schweinauer Hauptstraße 80
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E-Mail: gesundheitsregionplus@lgl.bayern.de

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