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Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim (Franziska Häffner)
Hintergrund:
Das Gremium Krankenhausentwicklung wurde im Jahr 2024 unter dem Dach der Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim eingerichtet, um den Transformationsprozess der Krankenhäuser im Landkreis Kelheim vor dem Hintergrund der Krankenhausreform fachlich zu begleiten, regionale Entwicklungsperspektiven zu diskutieren und strategische Weichenstellungen vorzubereiten.
Die demografische Entwicklung und der steigende Anteil hochaltriger Menschen führen zu einer zunehmenden Zahl stationärer Behandlungen von Patientinnen und Patienten mit kognitivem Risiko, insbesondere Demenz oder Delir. Gerade im ländlichen Raum gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Krankenhäuser auf diese Herausforderung reagieren können.
Dies gilt umso mehr, als die Ilmtalklinik Mainburg laut Kreistagsbeschluss perspektivisch zu einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung weiterentwickelt werden soll, wobei ältere Menschen eine wesentliche Zielgruppe darstellen werden. Vor dem Hintergrund der Krankenhausreform und neuer Versorgungsmodelle wird deutlich: Demenzsensible Konzepte sind kein „Zusatzthema“, sondern ein relevanter Qualitäts-, Versorgungs- und Standortfaktor für die regionale Krankenhausentwicklung.
Ziel:
Ziel der Sitzung des Gremiums Krankenhausentwicklung war es, die Relevanz demenzsensibler Konzepte für die strategische Weiterentwicklung der Krankenhäuser im Landkreis Kelheim herauszuarbeiten, Handlungsoptionen aufzuzeigen und den fachlichen Austausch zu fördern. Der Impuls richtete sich an Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Krankenhäusern, Politik und Selbstverwaltung sowie weitere Akteurinnen und Akteure der regionalen Gesundheitsversorgung. Im Fokus stand das Setting Krankenhaus – mit Blick auf alle Stationen und Versorgungsbereiche.
Zentrale Inhalte:
Im Rahmen eines Impulsvortrags der Koordinierungsstelle Bayern Demenz im Krankenhaus (KBDiK) wurden aktuelle fachliche Erkenntnisse, praxisnahe Maßnahmen und Beispiele guter Praxis vorgestellt. Deutlich wurde, dass Demenz im Krankenhaus häufig unterschätzt wird, da sie vielfach als Nebendiagnose nicht systematisch erfasst wird. Gleichzeitig besteht ein hohes Risiko für das Auftreten eines Delirs, insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen – mit erheblichen Auswirkungen auf Morbidität, Mortalität und Verweildauer.
Diskutiert wurden unter anderem:
- demenzsensible Umfeld- und Raumgestaltung
- verpflichtende Schulungen und Sensibilisierung aller Berufsgruppen,
- strukturierte Screenings und Assessments, auch in der Notaufnahme,
- die Einbindung von Angehörigen als Wissens- und Beziehungsträger,
- sowie organisatorische Ansätze wie Konsiliardienste oder Delirteams.
Neben qualitativen Effekten wurden auch ökonomische Aspekte beleuchtet: Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass vermeidbare Delirfälle erhebliches Potenzial zur Reduktion von Fall- und Opportunitätskosten bieten.
Aufgaben der Geschäftsstellenleitung:
Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim übernahm die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Sitzung, die Vernetzung relevanter Akteurinnen und Akteure sowie die Moderation zwischen Krankenhauspraxis, Politik und fachlicher Expertise. Darüber hinaus fungierte sie als Schnittstelle zur KBDiK, bereitete fachliche Inhalte auf und identifizierte Anknüpfungspunkte für weiterführende, ggf. krankenhausübergreifende Aktivitäten.
Informationen zu den (erwarteten) Ergebnisse:
Die Diskussion bestätigte die hohe Relevanz demenzsensibler Konzepte für die beteiligten Krankenhäuser. Der fachliche Impuls der Koordinierungsstelle Bayern Demenz im Krankenhaus wurde dabei von den Teilnehmenden ausdrücklich als Anstoß verstanden, das Thema im Krankenhaus weiter zu vertiefen und strategisch zu verankern – auch vor dem Hintergrund seiner zunehmenden wirtschaftlichen und gesundheitsökonomischen Bedeutung. Erste Maßnahmen, etwa Screeninginstrumente, Schulungen oder die stärkere Verankerung in der Ausbildung, sind bereits angestoßen oder etabliert.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Einführung systematischer Instrumente zunächst zu steigenden Fallzahlen führen kann, was eine transparente Kommunikation erfordert. Als zentrale „Lessons learned“ lassen sich die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes, die frühzeitige Einbindung aller Berufsgruppen sowie der Nutzen externer fachlicher Beratung und Begleitung festhalten.
Fazit und Ausblick:
Demenzsensible Konzepte sind ein wesentlicher Baustein zukunftsfähiger Krankenhausversorgung und gewinnen im Kontext von Krankenhausreform, Ambulantisierung und demografischem Wandel weiter an Bedeutung. Aufbauend auf dem fachlichen Austausch sollen weitere Schritte geprüft werden, etwa gemeinsame Informationsmaterialien, Schulungsangebote oder krankenhausübergreifende Ansätze. Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim und die KBDiK mit ihrer kostenlosen Beratungsmöglichkeit stehen hierfür als zentrale Anlaufstellen zur Verfügung.

