© PantherMedia/olishchyshyna@gmail.com

Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim (Franziska Häffner)

„Hilfe beim Helfen“ – Angehörige stärken, häusliche Versorgung sichern

Hintergrund und Motivation

Die Versorgung von Menschen mit Demenz findet zu einem großen Teil im häuslichen Umfeld statt. Damit verbunden ist eine hohe Verantwortung für Angehörige und weitere Bezugspersonen, die häufig über viele Jahre hinweg Betreuung, Pflege und Alltagsorganisation übernehmen. Veränderungen im Verhalten, zunehmende Pflegebedürftigkeit oder herausfordernde Alltagssituationen können dabei zu Unsicherheit, Überforderung und psychischen Belastungen führen.

Frühzeitige Information und Unterstützung sind daher wichtige Bausteine, um pflegende Angehörige zu stärken und häusliche Pflegesituationen langfristig zu stabilisieren. Neben fachlichem Wissen sind konkrete Handlungshilfen, die Kenntnis regionaler Unterstützungsangebote und der Austausch mit anderen Betroffenen von besonderer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat die Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim die Schulungsreihe „Hilfe beim Helfen“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern e. V. aufgegriffen und gemeinsam mit regionalen Partnern erstmals an drei wohnortnahen Standorten im Landkreis umgesetzt.

Ziel

Durch Information und Austausch mit Experten und anderen Betroffenen sollen Angehörige entlastet und Heimeinweisungen von Menschen mit Demenz verzögert werden. Ziel der Schulungsreihe ist es, pflegende Angehörige und weitere Bezugspersonen im Umgang mit Menschen mit Demenz zu stärken, ihre Handlungssicherheit und Gesundheitskompetenz zu erhöhen und einer Überforderung möglichst frühzeitig entgegenzuwirken. Damit leistet die Maßnahme auch einen Beitrag zu den Gesundheitszielen des Masterplans Prävention Bayern.

Zentrale Inhalte

In sieben aufeinander aufbauenden Modulen werden unter anderem Grundlagen zu Demenzerkrankungen und deren Verlauf, Kommunikation und Alltagsgestaltung, der Umgang mit herausfordernden Situationen, pflegerische Fragestellungen, Leistungen der Pflegeversicherung sowie rechtliche Vorsorge- und Unterstützungsmöglichkeiten vermittelt. Raum für Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung ist fester Bestandteil des Angebots.

Gemeinsam pflegende Angehörige unterstützen. Die Vertreter der drei Standorte beim Startschuss für die Schulungsreihe „Hilfe beim Helfen“ (v.l.n.r.: Melanie Hase, ehem. Landrat Martin Neumeyer, Bürgermeister Michael Raßhofer, Brigitte Kempny-Graf, Bürgermeister Herbert Blascheck, Bürgermeister Thomas Krebs, Karin Gruber und Franziska Häffner) © Margarita Metzner, Landratsamt Kelheim

Die Umsetzung erfolgte in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern e. V. sowie drei regionalen Partnern: der Bürgerhilfe Ihrlerstein/Painten, dem Mehrgenerationenhaus Langquaid und dem VdK Ortsverband Mainburg. Qualifizierte Referentinnen mit langjähriger Erfahrung in der Demenzarbeit führten die Schulungsreihen durch. Die drei Standorte ermöglichen einen wohnortnahen Zugang und nutzen gleichzeitig vorhandene Strukturen vor Ort. Die Finanzierung der für die Teilnehmenden kostenlosen Maßnahme erfolgt durch die BARMER.

Die Nachfrage war an allen drei Standorten sehr hoch: Sämtliche Schulungsreihen waren ausgebucht. Die Gruppengröße wurde mit max. 15 Teilnehmenden bewusst begrenzt, um einen intensiven und vertrauensvollen Austausch sowie Raum für individuelle Fragen zu ermöglichen. Die Teilnahme ist verbindlich für die gesamte Reihe vorgesehen, da die sieben Module aufeinander aufbauen.

Aufgaben der Geschäftsstellenleitung

Die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Kelheim initiierte das Angebot, gewann und koordinierte die regionalen Kooperationspartner und übernahm die organisatorische Gesamtkoordination. Als Schnittstelle zwischen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern e. V., den lokalen Partnern und den Referentinnen koordinierte sie Standorte und Abläufe und verantwortete die Öffentlichkeitsarbeit.

Informationen zu den (erwarteten) Ergebnissen

Die vollständige Auslastung aller drei Standorte bestätigt den bestehenden Unterstützungsbedarf bei pflegenden Angehörigen. Neben der Kompetenz- und Wissensvermittlung erwies sich insbesondere der persönliche Austausch als wichtiger Bestandteil der Schulungsreihe. Das entstandene Netzwerk wirkt dabei über die eigentliche Maßnahme hinaus: Aufgrund des Interesses der Teilnehmenden, den Austausch auch nach Abschluss der Schulung fortzuführen, wurde an einem Standort ein Pflegestammtisch ins Leben gerufen. Der während der Schulungsreihe entstandene Kontakt wird damit in eine eigenständige, kontinuierliche Struktur überführt und ist damit ein konkretes Beispiel für Nachhaltigkeit und Verstetigung aus der Maßnahme heraus.

Fazit und Ausblick

„Hilfe beim Helfen“ verbindet Wissensvermittlung, Prävention, Angehörigenentlastung und regionale Netzwerkarbeit. Die positive Resonanz reicht bereits über die bisherigen drei Standorte hinaus: Weitere Akteure aus dem Landkreis haben Interesse an einer Durchführung bekundet. Daher soll „Hilfe beim Helfen“ im kommenden Jahr erneut angeboten und auf weitere Standorte ausgeweitet werden. Ziel ist es, die entstandenen Strukturen weiterzuentwickeln und den Zugang zu qualifizierter Unterstützung für pflegende Angehörige im Landkreis nachhaltig zu verbessern.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sachgebiet GP3: Bayerische Gesundheitsagentur, Gesundheitsversorgung
Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus

Bayerisches Haus der Gesundheit
Schweinauer Hauptstraße 80
90441 Nürnberg

E-Mail: gesundheitsregionplus@lgl.bayern.de

Hinweis: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen Autors und nicht immer die Meinung der Fachlichen Leitstelle Gesundheitsregionenplus wieder.