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Fachliche Leitestelle Gesundheitsregionenplus / Bayerisches Kompetenzzentrum für Gesundheitsschutz im Klimawandel

Klimawandel und Gesundheit: Fachliche Leitstelle und Kompetenzzentrum im Dialog

Wie können Kommunen und die Gesundheitsregionenplus dem Thema „Klimawandel und Gesundheit“ wirksam begegnen? Welche konkreten Angebote und Unterstützungsformate gibt es bereits? Diesen Fragen geht die Fachliche Leitstelle der Gesundheitsregionenplus im folgenden Interview mit dem Bayerischen Kompetenzzentrum für Gesundheitsschutz im Klimawandel nach. Im Gespräch erläutert das Kompetenzzentrum Hintergründe, Ziele und praktische Umsetzungsmöglichkeiten für Städte und Gemeinden.

Warum ist das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ wichtig? Was können die bayerischen Kommunen mit ihren Netzwerken der Gesundheitsregionenplus dazu beitragen?

Der Klimawandel ist in Bayern bereits spürbar: Sechs der heißesten Jahre seit 1881 lagen zwischen 2011 und 2019, und heiße Tage über 30 °C nehmen zu (1). Hitzeperioden stellen ein Gesundheitsrisiko dar, von Hitzestress bis zu lebensbedrohlichen Hitzschlägen, und die Mortalität steigt während Hitzeereignissen erheblich (2,3).

Kinder kennen den Klimawandel und verbinden ihn beispielsweise mit weniger Schnee, steigenden Meeresspiegeln oder Eisbären, denen es schlecht geht. Ein Zusammenhang zur eigenen Lebenswelt oder gar zur eigenen Gesundheit wird kaum bis gar nicht gesehen. Zum einen erleben Kinder den Klimawandel nicht akut, da sie mit dem jetzigen Klima aufwachsen und es gar nicht anders kennen. Zum anderen schätzen Kinder und Jugendliche ihre Gesundheit als gut ein, auch wenn sie nicht förderliches Gesundheitsverhalten zeigen (4).

Ziel unserer Arbeit war es daher, Kindern und Jugendlichen Wissen zu vermitteln, um sich vor gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu schützen - ohne dabei die sogenannte Klimaangst zu verstärken.

Die bayerischen Gesundheitsregionenplus verfügen mit Ihrem Netzwerk aus Expertinnen und Experten, Praxispartnern, sowie der Verwaltung und der Lokalpolitik hervorragende Bedingungen, um sich des Themas „Klimawandel und Gesundheit“ anzunehmen und werden u.a. mit der von uns entwickelten App und Klima-Rallye dabei bestens unterstützt.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2025). Postkarte Healthy CliMATE. Warming Stripes © LfU Klimazentrum 2024, basierend a. DWD Climate Data Center (CDC); CliMATES © storyset.com

Was ist die Klima-Rallye und wie wurde das Projekt ins Leben gerufen?

Das Projekt „Zielgruppenspezifische Risikokommunikation zu Anpassungsmaßnahmen im Bereich Klimawandel und Gesundheit“ (ZebRA) ist ein Verbundprojekt des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention und das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Ziel war es gemeinsam mit den betroffenen Zielgruppen Informationsangebote zu entwickeln, die zur Sensibilisierung beitragen und den Aufbau von Wissen und Kompetenzen fördern. Fokusgruppen mit Kindern zeigten, dass digitale Angebote und Kurzvideos besonders geeignet sind und das Thema „Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit“ kreativ und kindgerecht aufbereitet werden muss.

Auf dieser Basis entwickelten wir die App „Healthy-CliMATE“. Die App ist ab acht Jahren geeignet und auch für Erwachsene interessant. Sie bietet Klima-Rallyes in Form einer kurzweiligen Schnitzeljagd in der eigenen Lebenswelt. Ein fiktives Wesen, der CliMATE, begleitet die Teilnehmenden, die Aufgaben lösen müssen, um die nächste Station zu erreichen. Am Ende erhalten sie eine persönliche Urkunde.

Die Themen können dann noch in der App vertieft werden. Die Themeninhalte umfassen Krankheitserreger, Hitze, Ozon, Pollen, Sonstige Extremwetterereignisse und UV-Strahlung.

© LGL

Was wird für die Durchführung einer Klima-Rallye benötigt?

Die Klima-Rallye ist bewusst niedrigschwellig konzipiert: Für die Planung reicht eine Person mit Ortskenntnis, um Weg und Stationen festzulegen. Die Anleitung hält die Stationen so allgemein, dass jede Stadt oder Gemeinde mindestens sechs Orte auswählen kann (z. B. Wiese, Trinkwasserbrunnen, großer Baum). Für die Durchführung werden nur ein Computer mit Internetzugang und ein Smartphone benötigt. Der zeitliche Aufwand beschränkt sich auf die einmalige Festlegung von Stationen und Weg, die Erprobung der Rallye und ggf. Rückmeldungen an das LGL. 

Die Rallye ist nach der einmaligen Erstellung selbstständig durch die Zielgruppen (wie z. B. Jugendgruppen, Vereinsgruppen, Familien etc.) dauerhaft nutzbar. Nach der Erstellung der Klima-Rallye erfolgt die Bewerbung z.B. über das Netzwerk der Gesundheitsregionplus, welches die Verbreitung des Angebots an Multiplikatoren, Fachkräfte, Einrichtungen, Schulen, etc. übernimmt. Zur Bewerbung der Klima-Rallye können kostenfreie Postkarten im Bestellshop der Bayerischen Staatsregierung (letzter Abruf 20.02.2026) bestellt werden.

Was sind die bisherigen Erfahrungen mit der Klima-Rallye in bayerischen Kommunen?

Die Kommunen, die bereits eine Klima-Rallye umgesetzt haben, waren überrascht, wie einfach und schnell die Realisierung gelingt. Der Zeitaufwand liegt insgesamt bei etwa zwei bis fünf Stunden für Planung, Erprobung und Abstimmung mit dem LGL, teilweise wurde die Rallye von Praktikanten oder Auszubildenden erstellt.

Besonders schätzten sie die Möglichkeit, mit geringem Aufwand medienwirksam über „Klimawandel und Gesundheit“ zu informieren. In einigen Kommunen fanden Eröffnungsveranstaltungen statt, bei denen Kinder Stationen wie Trinkbrunnen oder UV-Schutz-Stationen besuchten und kleine Give-aways erhielten. Das dabei entstandene Bildmaterial eignete sich gut für lokale Medien und Social Media.

Wann ist der beste Zeitpunkt im Jahresverlauf, um mit der Planung einzusteigen?

Die Klima-Rallye kann ganzjährig bestellt und erstellt werden, die Umsetzung ist grundsätzlich schnell. Um ausreichend Vorlauf vor der nächsten Wärmeperiode zu haben, empfiehlt sich die Erstellung in der kalten Jahreszeit. Die Bewerbung sollte idealerweise im Sommer erfolgen, da die Inhalte dann besonders anschaulich vermittelt werden können.

Warming Stripes © LfU Klimazentrum 2024, basierend a. DWD Climate Data Center (CDC); CliMATES © storyset.com Hier online bestellbar (letzter Abruf 20.02.2026).

Welche Unterstützung bekommen die Gesundheitsregionenplus vom Bayerischen Kompetenzzentrums für Gesundheitsschutz im Klimawandel?

Die Gesundheitsregionenplus können sich über das Bestellformular die Klima-Rallye kostenfrei bestellen. Zudem ist es möglich, für einen Landkreis mehrere Klima-Rallyes in unterschiedlichen Gemeinden zu erstellen. Bei Fragen können Sie sich auch gerne direkt an uns wenden unter klimawandel@lgl.bayern.de.

Unsere sonstigen Angebote wie Informationsmaterialien für Bürgerinnen und Bürger, in der Pflege Tätige oder zur Erstellung eines Hitzeaktionsplans finden Sie auf unserer Webseite. Zusätzlich werden verschiedene Veranstaltungen wie Vernetzungstreffen oder Multiplikatorenschulungen angeboten, welche Sie in unserem Veranstaltungskalender finden (jeweils letzter Abruf 20.02.2026).

Quellenangaben (jeweils letzter Abruf 20.02.2026):

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt (2022). Bayerns Klima im Wandel. Heute und in der Zukunft. Online verfügbar unter: https://www.bestellen.bayern.de/shoplink/lfu_klima_00173.htm
  2. Hertig E, Hunger I, Kaspar-Ott I, Matzarakis A, Niemann H et al. (2023)
  3. Klimawandel und Public Health in Deutschland – Eine Einführung in den Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit 2023. J Health Monit 8(S3): 7 – 35. Robert Koch-Institut Berlin. DOI 10.25646/11391. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/GesundAZ/K/Klimawandel_Gesundheit/KlimGesundAkt.html
  4. Winklmayr C, an der Heiden M: „Hitzebedingte Mortalität in Deutschland 2022“ EpidBull 2022;42:3-9 | DOI 10.25646/10695.2
  5. Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) der Weltgesundheitsorganisation – Nationale Survey-Ergebnisse 2022 und Trends. Verfügbar unter: www.rki.de/jhealthmonit-2024

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sachgebiet GP3: Bayerische Gesundheitsagentur, Gesundheitsversorgung
Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus

Bayerisches Haus der Gesundheit
Schweinauer Hauptstraße 80
90441 Nürnberg

E-Mail: gesundheitsregionplus@lgl.bayern.de

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